Willkommen in 2015

Zurück in der Realität, das neue Jahr hat begonnen. Laut und monströs in Paris, während woanders, in Syrien, Nigeria oder Irak weiter, für uns hier nur leise vernehmbar, gestorben wird. Die gepriesene Zuversicht hat es schwer. Ein paar Gedankensplitter:

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(Verwendung mit freundlicher Genehmigung von J. Jansen, jansen-karikatur.de)

1100 Milliarden pumpt die Europäische Zentralbank nun also verteilt über 18 Monate in das Finanzsystem, angeblich um Kredite billiger zu machen und so das „Wachstum“ anzuheizen. Wo der Leitzins doch sowieso schon mit 0,05 Prozent zur Verschuldung einlädt. Was soll nun also noch alles investiert werden? Wie viele Industrie- und Gewerbegebiete sollen entstehen, welche Flächen dafür versiegelt werden? Und ist der heutige Konsum in den Industrieländern noch zu toppen? 

Eher sind viele Menschen doch eigentlich satt. Ausgerüstet mit Smartphone, Breitwandfernseher und Plasmabildschirm, Wasch- und Spülmaschine, Auto, Navi und hoffentlich auch Fahrrad sind die Hauptbedürfnisse auf Jahre hinaus gestillt – es sei denn, irgendein Gerät geht wachstumsfördernd gerade nach Ablauf der Garantie kaputt. Der „Kapitalismus in der Reichtumsfalle“, schrieb W. Uchatius schon vor über drei Jahren in der ZEIT (sehr lesenswert!).

Gezielte Investitionen in die Herausforderungen der heutigen Zeit? Wie da wären Energiewende, Stärkung öffentlicher Verkehrsmittel, Klimaschutz und Kohlendioxideinsparung! Fehlanzeige, wie schon bei der Geldflut bei der Finanzkrise 2008! Könnte man nicht die 3400 Euro, um die es pro europäischen Bewohner geht, nicht lieber gleich den Arbeitslosen und Geringverdienern aushändigen – was sicher mehr Konsum bewirken würde, wenn schon? Weiterlesen

„Die Tugend der Zuversicht“

Normalerweise bin ich ja immer sehr pessimistisch aufgelegt angesichts schwer zu verdrängender Fakten:

2014 als wärmstes Jahr seit Aufzeichnung der Wetterdaten, untergehende Staaten wie Libyen oder Syrien mit all der dabei entstehenden und uns jetzt erreichenden menschlichen Not, die zunehmende Digitalisierung unseres Alltags, der man sich kaum mehr entziehen kann (bis hin zu irgendwann völlig computerisierten Autos – so es sie dann noch geben wird – und online erfolgender ärztlicher Behandlung), tägliche Fragen des Sinns im Angesicht der destruktiven großen Entwicklungen, und so fort … .

Aber da sei auf die „Silvesterpredigt“ der Süddeutschen verwiesen, den Leitartikel zum Jahreswechsel, der netterweise online zu lesen ist (zumindest im Moment). Nach allem Abwägen der Übel der heutigen Zeit wird auf die Zuversicht als zu empfehlende Haltung verwiesen. Mir würden zwar einige „ja, aber …“ dazu einfallen, aber man kann das ja mal auf sich wirken lassen.

Daher hier der Link zu diesem Artikel: „Tugend der Zuversicht“ (SZ, 31.12.2014).

In diesem Sinne: ein gutes 2015!

Wahrnehmung oder Verdrängung?

Im Radio wird künstlich Weihnachtsstimmung erzeugt, die Werbung suggeriert uns auf Schritt und Tritt, dass wir Geschenke zu kaufen hätten, obwohl kaum jemand noch weiß, was er schenken soll (Kommentar meines 11-jährigen Sohnes: „Ich hab‘ ja alles!“ Dabei halte ich ihn materiell im Peergroup-Vergleich nicht für verwöhnt). Derweil fehlt der Schnee, 2014 wird ein neuer Wärmerekord in Deutschland und wohl auch weltweit, die Klimakonferenz in Lima ging – wie die meisten Konferenzen zuvor – im Grunde ergebnislos zu Ende. Eine Chance bleibe noch, kommentiert die SZ, nämlich Paris 2015. Da sind wir aber gespannt …!

Klimakonferenz 2014 - Karikatur - Schopf

UN-Klimakonferenzen *

Genauso wenig, wie das Thema für unsere Politiker wirklich brennend wäre, interessiert es den Bürger (meistens). Bekannte von uns werden – nach Sommerurlaub in den USA – Weihnachten nun in Südafrika verbringen. Die Kinder werden eifrig für Austausch und Praktika nach Peru, China oder Kanada geschickt, natürlich müssen sich die Eltern das dort dann auch mal ansehen, und die neuen globalen Kontakte wollen danach weiter gepflegt werden – nicht nur durch Skype. Ansonsten sind wir mit dem Alltag bestens beschäftigt. Bis zu 60mal am Tag wird das Smartphone entsperrt, um insgesamt drei Stunden täglich damit zu verbringen. Drohnen lauern am Horizont – als neuer massentauglicher Konsumschlager. Her damit, bitte gerne!

Derweil Google, Facebook und amazon weiter fleißig unsere Daten sammeln, die wir freudig angeben – um dann wieder über den NSA zu schimpfen. Bereitwillig geben viele Menschen schon Gesundheitsdaten an zentrale Server weiter, um ihr Weiterlesen

Frühe Bindungsstörung – und was dagegen zu tun wäre

Florian, 11 Jahre, ist ein seltenes Exemplar seiner Gattung. Am liebsten geht er in den Wald nahe seiner Wohnung am Münchner Stadtrand, bastelt und spielt hier, gerne auch allein. Er gerät damit allerdings in Konflikt mit seinen Eltern, die meinen, dass das halbe Wochenende eigentlich gelernt werden müsste – er besucht die 6. Klasse am Gymnasium. Auf mich macht er meist einen entspannten und ausgeglichenen Eindruck.

Florian scheint noch eine Bindung zu seiner natürlichen Umgebung zu haben, die für die meisten seiner Artgenossen sonst kaum mehr eine Rolle zu spielen scheint. Natur, oder das, was davon noch übrig ist, ist eher ein Konsumprodukt, zu besuchen im Urlaub am Meer oder am Wochenende in den Bergen. „Natürlich“ fahren wir mit dem Auto dorthin, das wir sonst im Alltag vor allem für kurze Strecken verwenden. Es steht bereit zum Brötchen holen oder um die Kleinen zu ihren vielen Schul- und Freizeitterminen zu bringen, anstatt zu Fuß zu gehen oder mit dem Rad zu fahren. Dazu müsste ihnen und vor allem den Eltern aber bewusst sein, wie wohltuend dies sein kann. Erst diese Erfahrung lässt auch Engagement für die natürliche Umgebung entstehen, wie Untersuchungen zeigen.

Louv - das letzte kind im wald

Ein äußerst lesenswertes Buch zu diesem Thema!

Stattdessen suchen Erwachsene jetzt schon drei Stunden täglich mittels Smartphone ihre Ersatzwelt auf. Auch hier sind sie Vorbild, jetzt werden schon Grundschulkinder regelmäßig damit ausgestattet. Die Bindung zu diesem Gerät scheint stärker als zur Natur, wo auch der Nachwuchs inzwischen kaum noch Zeit verbringt. Noch 1990 gaben in einer deutschen Studie fast drei Viertel der befragten Kinder zwischen sechs und 13 Jahren an, sich täglich im Freien herumzutreiben – 2003 waren es schon weniger als die Hälfte. Kinder in benachteiligten Wohngebieten machen dies zudem deutlich weniger als die in kinderfreundlichen Stadtteilen, wie kürzlich eine Studie des Deutschen Kinderhilfswerks herausfand.

Angst der Eltern vor Entführungen sowie vor Stürzen und Verkehrsunfällen spielt dabei eine große Rolle. Was dazu führt, dass immer weniger Kinder auf Bäume klettern können und häufiger motorische Probleme haben. Freiheit, Selbstwirksamkeit, unmittelbare Erfahrungen mit den Naturelementen und ein Gefühl der Verbundenheit auch mit Pflanzen und Tieren sind jedoch draußen eher zu erleben als im beschützten und mediendominierten Innenraum. Auch Konzentrations- und Gedächtnisleistungen werden durch das Spiel in der Natur gefördert – was leider bisher noch wenig Eingang in Bildungspolitik und Lehrpläne gefunden hat.  Weiterlesen

Resignative Erleichterung?

Kürzlich erhielt ich einen Gruß, der mich schon zum Nachdenken gebracht hat. „Du unermüdlicher Ökoritter!“, hieß es wohlwollend von einer guten Freundin, und weiter wurde mir viel Gelassenheit gewünscht, diese Welt zu ertragen und auch das Schöne darin zu sehen.

 

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Die Welt, verschluckt vom Nebel

Beim Blick auf die Krisen dieser Welt droht mir das gelegentlich tatsächlich abhanden zu kommen. Es gelingt mir zum Glück, trotz der melancholischen Stimmung, die der Herbst so mit sich bringt, mich auch über die spezielle Luft dieser Jahreszeit zu freuen, über die Blattverfärbungen, die Früchte, die es jetzt gibt, und noch warme Sonnenstrahlen.

 

Andererseits fühle ich mich auf Schritt und Tritt von unserer unsinnigen Lebensweise verfolgt: die tägliche Autolawine in der Stadt, durch die ich mich an manchen Stellen mit dem Rad schlängeln muss, der Hausneubau auf einer weiten Grünfläche hier in der Nähe, der mich befürchten lässt, dass dieser gesamte erfreulicherweise noch existierende Acker in Trudering mit seinen Selbst-Schneide-Blumen und Erdbeerfeldern noch verschwinden wird, oder der jetzt Hochsaison habende Blätterbläser, der mit Lärm und Benzingestank soeben bis vor die Haustür tätig war (Auswüchse eines Hausmeisterdienstes). Weiterlesen

„Für Pessimismus ist es zu spät“

Bretonische Fischer schildern, wie ihre kleinen Kutter abgelöst werden sollen durch EU-geförderte Schiffe, die dann nicht nur wenige Stunden, sondern Tage auf dem Meer bleiben und in überdimensionierten Netzen dann nicht mehr frischen und entsprechend druckgeschädigten Fisch in die Häfen bringen – Hauptsache Masse und Profit! Das gleiche Bild beim Soja-Anbau für europäischen Fleischverzehr im brasilianischen Amazonasgebiet oder bei der Eibebrütung und Hühnermast.

„We feed the world“, ein Film von Erwin Wagenhofer, gezeigt gestern im Rahmen der Truderinger Zukunftsgespräche in München. Wie 56000 Eier in einen Vorbrutofen geschoben werden, und dann vor allem entsprechend viele Küken auf dem Band wie eine einzige gelbe flauschige Masse in Kisten befördert werden, von den schließlich fließbandartig maschinell getöteten Hühnern am Ende der Produktionslinie mal ganz abgesehen – das ist schockierend und deprimierend.

Umso mehr überrascht der Blick auf den heutigen Wochenendteil der Süddeutschen Zeitung: Unmengen gelber Küken springen einen von einem großen Bild – es macht mehr als die Hälfte der Seite aus – geradezu an. „Erbarmungslos“ ist der Titel des Artikels über unseren gnadenlosen Umgang mit Schweinen, Rindern oder Hühnern. Der Autor, Helmut Schödel, holt richtig weit aus: „Leergefischte Meere, abgeholzte Wälder, weggesperrte Nutztiere, automatische Waschanlagen für Senioren in Japan: Der Weiterlesen

Ein neuer Blog

Die Welt ist voller Katastrophenmeldungen. Syrien, Irak, Ukraine und Gaza – apokalyptische Szenarien fallen da natürlich nicht schwer. Eine andere globale Katastrophe geht dabei derzeit aber unter: der still und langsam sich weiter vollziehende Klimawandel, mit der gnadenlos im Abstand von 40 bis 50 Jahren der steigenden CO2-Kurve folgenden Temperaturerhöhung, mehr Extremwetterlagen, steigenden Meeresspiegeln und zunehmenden Flüchtlingsdramen. Weiterlesen