Wider die ökologische Depression – Vom Wissen zum Handeln (2)

Im Gespräch mit anderen Eltern über die Smartphonesucht der kids. Ich räume ein, dass ich es schon grundsätzlich verstehen könne, dass man in die virtuelle Welt flüchtet, wenn die reale Welt schon so bescheiden ist * (Anmerkung siehe unten). „Wieso bescheiden? Ist doch alles okay in der realen Welt!“, meinte der andere Vater.

Ja, ist es vielleicht schon, wenn man den irrsinnigen Rohstoffverbrauch durch unseren Konsum, das Verschwinden freier Flächen, die ansteigenden Temperaturen und das Artensterben gut ignorieren kann (und stattdessen den nächsten Urlaubsflug bucht). Die Entwicklungen vollziehen sich ja schleichend, sind immer noch kaum wahrzunehmen. Was wiederum auch damit zusammenhängt, dass wir vor lauter Sitzen am PC oder im Auto wohl auch kaum wahrnehmen können, was eigentlich so los ist.

Das Gebot der guten Laune durchbrechen

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Lutz Stallknecht / pixelio.de

Sind die Verdrängungsschranken durchbrochen, gerät man – ich z. B. – schnell in eine „ökologische Depression“, die hier im Blog wohl oft genug durchscheint, und aus der so leicht nicht rauszukommen ist. Daher stürze ich mich gerne auf neu erscheinende Bücher, in der Hoffnung, nach der ausführlichen Problemanalyse am Schluss doch noch auf neue, einfacher umzusetzende Lösungen zu stoßen (meist Fehlanzeige!). Weiterlesen

Vom Wissen zum Handeln (1)

Eigentlich …

… wollte ich ja heute über die zunehmende Vernetzung und Digitalisierung schreiben; darüber, dass jeder zweite Mensch weltweit ein Smartphone hat, in das er sich bis zu 60mal täglich einloggt, was seiner Aufmerksamkeitsleistung sicher gut tut; darüber, dass damit die Entfernung von irgendwelchen natürlichen Lebensgrundlagen umso größer wird, und das Gefühl, diese schützen zu wollen, dafür umso kleiner; darüber, dass die Datenflut (Big Data) immer größer wird, und wir die Daten dooferweise ja selbst zur Verfügung stellen, so dass facebook, google und amazon ihre Absatzstrategien danach ausrichten können, und Versicherungen schon Boni dafür gewähren, dass Infos über Blutdruck und Puls regelmäßig übermittelt werden; oder darüber, dass diese Überwachung nebst anderen Formen immer weiter geht (NSA u.a.), nur darüber keiner mehr redet; und auch darüber, warum die meisten Menschen all den neuen Trends so automatisch wie Herdentiere folgen, ohne zu merken, was da eigentlich schleichend geschieht.

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Hallo, ist da wer?                   (Joujou / pixelio.de)

Dann kamen mir Gedanken über das Bloggen an sich; darüber, welchen Sinn diese autistischen Selbstgespräche und Rufe ins weite Netz überhaupt haben, ähnlich als würde ich mich auf einen einsamen Berg stellen, mit dem Weltall kommunizieren und auf Widerhall warten; darüber, dass jede Minute Zeit dafür vor dem Computer eigentlich wieder eine verlorene Minute ist, in der ich nicht im Grünen oder im Garten war, was mir die Chance gäbe, die vielfach beschriebenen guten Wirkungen von Pflanzen und Tieren zu verspüren.

Schließlich …

… besann ich mich meines Psycho-Berufes und ging dazu über, mir wieder einmal die Ursachen für die enorme Kluft zwischen Wissen und Handeln anzusehen. Englische Artikel aus Faulheit eigentlich vermeidend bekomme ich ab und zu von einem Freund Hinweise darauf, und kämpfe mich dann doch – mit einem Lexikon im zweiten Fenster – durch die hier beschriebenen umweltpsychologischen Aspekte.

Ohnmacht und erlernte Hilflosigkeit angesichts der heutigen Komplexität

So beschreibt Mary Pipher, eine kanadische Therapeutin und Autorin, ihre Gefühle beim Gedanken daran, dass sie sich zwar so sehr bemüht darum, dass ihre Weiterlesen

Schluss mit Stress durch Konsum – Minimalismus als neue Lebensform?

Nochmal ein Hinweis auf bewusstleben.de. Heute liegt mir daran, auf ein Interview mit dem Wirtschaftsprofessor Niko Paech hinzuweisen, das dort kürzlich veröffentlicht wurde:

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Niko Paech: “So sparen wir Zeit, Geld, Raum und ökologische Ressourcen.”

Sein Buch „Befreiung vom Überfluss“ gehört wohl zum Besten, was ich in den letzten Jahren zu nötigen Veränderungen gelesen habe.

Das Schwierige an der momentanen Situation scheint mir aber, dass erst weitere Katastrophen (Finanzkrisen, Wetterkatastrophen, etc.) die breite Masse und die Politiker zum Handeln bringen werden – also erst dann, wenn es zu spät ist, während relativ viele andere Menschen (auch ich) das große Bedürfnis haben, jetzt schon etwas zu tun. Was aber immer wieder Entmutigung erfährt durch den nicht vermeidbaren Blick auf das große Ganze.

Vielleicht muss es nicht gleich Minimalismus pur sein. Trotzdem: dieser Beitrag des SWR über Max Gaedtke, der mit exakt 118 Dingen gut auskommt, lohnt sich und zeigt, dass man einfach mal ganz anders denken kann.

Max Gaedkte - SWR

Max Gaedtke aus Freiburg nennt genau 118 Dinge sein Eigen. Exakt abgezählt. Sie reichen ihm. Wie es sich mit so wenigen Gegenständen leben lässt, das zeigt der Beitrag vom SWR. – Link siehe oben

Und noch ein Film zu guter Letzt: die Vorschau auf den Film „My Stuff“, der im März in Deutschland anläuft. Worum es geht:

Petri steckt tief in einer echten Existenzkrise, als er sich entscheidet, ein Selbst-Experiment zu starten: Er packt alles (wirklich alles!), was er hat in ein Self Storage-Lager und legt klare Regeln fest:
1. Das Experiment dauert ein Jahr.
2. Jeden Tag darf er einen Gegenstand aus dem Lager zurückholen.
3. Neue Dinge kaufen, darf er in dieser Zeit nicht.
Er setzt sein Leben zurück auf Anfang.

Muss man ja nicht alles so machen. Aber es sind Anregungen dafür, dass nicht alles so festgefahren bleiben muss wie es ist. Und ein Hinweis darauf, dass wir uns mit zu vielen Dingen umgeben, die alle Ressourcen für die Herstellung benötigt haben – und jetzt uns viel (zuviel?) Aufmerksamkeit und Ordnungsliebe abverlangen.

Etwas verändern – ein Rückblick

Grenzen des WachstumsOben auf der Leiste gibt es jetzt die Rubrik „etwas verändern“. Wenn schon nicht global, und auch nicht im Umfeld, dann wenigstens selbst! Dies ist der erste Beitrag dazu.
2007, glaube ich, war das sehr einschneidende Erlebnis, als ich das 30-Jahres-Update zu „Grenzen des Wachstums“ gelesen hatte. Der Urlaub damals an der Adria war dahin, meine Laune reichlich mies.

Nun gut, zum damaligen Zeitpunkt hatten wir schon eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach, dazu eine thermische Solaranlage zum Wasser-Erhitzen, die Ökokiste kam damals auch schon seit über zehn Jahren, das Fahrrad war das meist benutzte Verkehrsmittel, u. a. für die 8 km zur Arbeit, und Car-Sharing hatten wir schon Ende der 90er-Jahre praktiziert – bis eine Arbeitsstelle 70 Kilometer entfernt zum Autokauf zwang.

Es folgten dann der konsequente Verzicht auf’s Fliegen (seit 2007), häufiger ein Einkauf auf dem Markt, das Lesen vieler Bücher zu Nachhaltigkeit und manches mehr. Beim Metzger gegenüber hole ich mir das Mittagessen in einer Metalldose; manche (strenge) Verkäuferin findet das wegen hygienischer Vorschriften nicht gut. VesperdoseDa lasse ich es mir eben erst auf den Teller geben, als ob ich es dort essen würde, und fülle es dann selbst in die Dose um. Wenigstens ist mein Mülleimer nicht mehr gefüllt mit dem Einweg-Plastikmüll.

Seit Januar nun arbeite ich reduziert, mit einem freien Tag in der Woche. Wer sagt denn, dass man 40 Stunden und mehr pro Woche arbeiten muss? Wirtschaftlich geht es zum Glück. Die Zeit kann ich nützen, um mir in Ruhe klar darüber zu werden, was noch Sinnvolles zu tun ist – oder ich gehe einfach joggen oder Bergsteigen, was mir fast immer erst einen freien Kopf bringt, dann irgendwann aber auch neue Ideen. „Arbeit ruiniert die Welt“, schrieb mal ein Autor. Allein wenn man daran denkt, dass jeder 7. Arbeitsplatz mit der Autoindustrie zusammenhängen soll, wird das wohl leider stimmen. Weniger Ressourcen- und Energieverbrauch durch weniger Arbeit kann ein Mehr schaffen an Zeit, Muße, Miteinander und Nachhaltigkeit.

Heute nun ist das letzte Teil, das ich in einer Internetzeitung für kostenlose Kleinanzeigen (quoka) zum Verschenken inseriert hatte, weggegangen. Ein Kindersitz für’s Auto und andere größere Teile haben da neue glückliche Besitzer gefunden, und wieder Platz im Keller geschaffen. Auch das bringt positive Energien.

Klingt jetzt alles hochengagiert, reicht aber bei weitem nicht aus. Mal sehen, ob mir in nächster Zeit noch mehr Dinge einfallen, die ich tun kann (oder die ich schon tue, aber die mir gar nicht immer bewusst sind).
Empfehlen kann ich für weitere Ideen den Blick auf die Webseite einfachbewusst.de.