Nachhaltigkeit – ja bitte, aber nicht jetzt!

„Der Klimaschutz ist weit nach hinten gerückt: es gibt akutere Probleme“, so ein Kommentar in der SZ am letzten Wochenende. Der umjubelte Klimavertrag vom Dezember in Paris – die nötige Kehrtwende hat längst noch nicht begonnen! Stattdessen absorbieren aktuelle Krisen (Finanzkrise, Griechenland, Ukraine, Flüchtlingskrise, Brexit, …) oder persönliche Themen (kaputtes Auto, Ehekrise, Smartphone, Arbeits- und Freizeitstress, …) unsere volle Aufmerksamkeit. Keine Zeit für Nachhaltigkeit!

Indikatoren für globalen Wandel seit 1750Aber so ist das eben: trotz Dürren, Stürmen und lokaler Überschwemmungen ist die Umweltkrise (die Grafik mag einen Überblick von ihr geben – vor allem von der großen Beschleunigung seit 1950; zur Vergrößerung einfach auf das Bild klicken!) noch zu wenig spürbar, erscheint noch als weit weg. Sie riecht nicht, tut nicht weh, erzeugt also Weiterlesen

Klimakatastrophe? – Menschenkatastrophe!

SZ 030516 Klima-Menschen-Katastrophe2Manchmal sind die kleinen Artikel in den Zeitungen die aufschlussreichen. So auch dieser Text auf Seite 4 der SZ vom Montag dieser Woche (02.05.).

Der Blog hat ja etwas Pause gemacht, andere Projekte haben mich abgehalten. Auch frage ich mich immer wieder, was so ein Blog überhaupt bringt (… warum habe ich ihn dann überhaupt angefangen?). Alle Welt buhlt um Aufmerksamkeit, Filme, Weiterlesen

„Verrückter Unfall der Evolution“

Kolbert - Interview - Überschrift

Liebe Leserin, lieber Leser,

Entschuldigung, dass ich schon wieder mit schlechten Nachrichten aufwarte!

Lieber „stern“,

Entschuldigung, dass ich ein Interview mit der Wissenschaftsjournalistin Elisabeth Kolbert aus eurer Ausgabe vom 9.7.15 hier eingescannt als Link wiedergebe! Es ist zu gut, als dass man es nicht im Internet finden Stern- Symbolsollte. Ich hoffe, ihr verzeiht mir den kleinen Eingriff ins Urheberrecht. Mache aber gerne damit auch Werbung für euch (und habe ihn seit 13 Jahren als Wartezimmerlektüre).

Es ist unbedingt lesenswert, zwar nicht erbaulich, aber aufschlussreich, offen und ehrlich, ohne jede Hysterie. So wie Wissenschaftler halt oft sind. Schlüsse daraus mag jeder selbst ziehen.

 

 

Hitzerekord – nur ein singuläres Ereignis?

Auf all den per ungeschriebenem Gesetz gut gelaunten Radiosendern wird die Hitze bejubelt, welch schönen sonnigen Tag wir doch heute hätten. Mein Sohn wartet auf Hitzefrei, doch da kann er lange warten: in das neue Gymnasium war auch gleich eine gute Klimaanlage eingebaut worden.

Zu meiner Jugendzeit, leider nun auch schon deutlich über 30 Jahre her, war das Erreichen der 30 Grad eine Seltenheit, alles darüber (selten einmal 32 oder 33 Grad) eine Sensation. Heute dürfen wir froh sein, wenn nicht allzu oft die 35 Grad überschritten werden. Wobei es wohl schon 1983 den Hitzerekord von 40,2 Grad in der Oberpfalz gegeben hat und es angeblich sogar bereits 1892 einmal in Bamberg 38,3 Grad gehabt haben soll. Damals singuläre Ereignisse, heute allerdings gehäuft!

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Wetterbericht vom 01.07.2015

Wenn man aktuell den Wetterbericht am Ende des „heute-journals“ betrachtet, überkommt einen daher eine Mischung aus Faszination und Grauen beim Anblick der Vorhersage. Weiterlesen

Wider die ökologische Depression – Vom Wissen zum Handeln (2)

Im Gespräch mit anderen Eltern über die Smartphonesucht der kids. Ich räume ein, dass ich es schon grundsätzlich verstehen könne, dass man in die virtuelle Welt flüchtet, wenn die reale Welt schon so bescheiden ist * (Anmerkung siehe unten). „Wieso bescheiden? Ist doch alles okay in der realen Welt!“, meinte der andere Vater.

Ja, ist es vielleicht schon, wenn man den irrsinnigen Rohstoffverbrauch durch unseren Konsum, das Verschwinden freier Flächen, die ansteigenden Temperaturen und das Artensterben gut ignorieren kann (und stattdessen den nächsten Urlaubsflug bucht). Die Entwicklungen vollziehen sich ja schleichend, sind immer noch kaum wahrzunehmen. Was wiederum auch damit zusammenhängt, dass wir vor lauter Sitzen am PC oder im Auto wohl auch kaum wahrnehmen können, was eigentlich so los ist.

Das Gebot der guten Laune durchbrechen

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Lutz Stallknecht / pixelio.de

Sind die Verdrängungsschranken durchbrochen, gerät man – ich z. B. – schnell in eine „ökologische Depression“, die hier im Blog wohl oft genug durchscheint, und aus der so leicht nicht rauszukommen ist. Daher stürze ich mich gerne auf neu erscheinende Bücher, in der Hoffnung, nach der ausführlichen Problemanalyse am Schluss doch noch auf neue, einfacher umzusetzende Lösungen zu stoßen (meist Fehlanzeige!). Weiterlesen

Vom Wissen zum Handeln (1)

Eigentlich …

… wollte ich ja heute über die zunehmende Vernetzung und Digitalisierung schreiben; darüber, dass jeder zweite Mensch weltweit ein Smartphone hat, in das er sich bis zu 60mal täglich einloggt, was seiner Aufmerksamkeitsleistung sicher gut tut; darüber, dass damit die Entfernung von irgendwelchen natürlichen Lebensgrundlagen umso größer wird, und das Gefühl, diese schützen zu wollen, dafür umso kleiner; darüber, dass die Datenflut (Big Data) immer größer wird, und wir die Daten dooferweise ja selbst zur Verfügung stellen, so dass facebook, google und amazon ihre Absatzstrategien danach ausrichten können, und Versicherungen schon Boni dafür gewähren, dass Infos über Blutdruck und Puls regelmäßig übermittelt werden; oder darüber, dass diese Überwachung nebst anderen Formen immer weiter geht (NSA u.a.), nur darüber keiner mehr redet; und auch darüber, warum die meisten Menschen all den neuen Trends so automatisch wie Herdentiere folgen, ohne zu merken, was da eigentlich schleichend geschieht.

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Hallo, ist da wer?                   (Joujou / pixelio.de)

Dann kamen mir Gedanken über das Bloggen an sich; darüber, welchen Sinn diese autistischen Selbstgespräche und Rufe ins weite Netz überhaupt haben, ähnlich als würde ich mich auf einen einsamen Berg stellen, mit dem Weltall kommunizieren und auf Widerhall warten; darüber, dass jede Minute Zeit dafür vor dem Computer eigentlich wieder eine verlorene Minute ist, in der ich nicht im Grünen oder im Garten war, was mir die Chance gäbe, die vielfach beschriebenen guten Wirkungen von Pflanzen und Tieren zu verspüren.

Schließlich …

… besann ich mich meines Psycho-Berufes und ging dazu über, mir wieder einmal die Ursachen für die enorme Kluft zwischen Wissen und Handeln anzusehen. Englische Artikel aus Faulheit eigentlich vermeidend bekomme ich ab und zu von einem Freund Hinweise darauf, und kämpfe mich dann doch – mit einem Lexikon im zweiten Fenster – durch die hier beschriebenen umweltpsychologischen Aspekte.

Ohnmacht und erlernte Hilflosigkeit angesichts der heutigen Komplexität

So beschreibt Mary Pipher, eine kanadische Therapeutin und Autorin, ihre Gefühle beim Gedanken daran, dass sie sich zwar so sehr bemüht darum, dass ihre Weiterlesen

Schluss mit Stress durch Konsum – Minimalismus als neue Lebensform?

Nochmal ein Hinweis auf bewusstleben.de. Heute liegt mir daran, auf ein Interview mit dem Wirtschaftsprofessor Niko Paech hinzuweisen, das dort kürzlich veröffentlicht wurde:

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Niko Paech: “So sparen wir Zeit, Geld, Raum und ökologische Ressourcen.”

Sein Buch „Befreiung vom Überfluss“ gehört wohl zum Besten, was ich in den letzten Jahren zu nötigen Veränderungen gelesen habe.

Das Schwierige an der momentanen Situation scheint mir aber, dass erst weitere Katastrophen (Finanzkrisen, Wetterkatastrophen, etc.) die breite Masse und die Politiker zum Handeln bringen werden – also erst dann, wenn es zu spät ist, während relativ viele andere Menschen (auch ich) das große Bedürfnis haben, jetzt schon etwas zu tun. Was aber immer wieder Entmutigung erfährt durch den nicht vermeidbaren Blick auf das große Ganze.

Vielleicht muss es nicht gleich Minimalismus pur sein. Trotzdem: dieser Beitrag des SWR über Max Gaedtke, der mit exakt 118 Dingen gut auskommt, lohnt sich und zeigt, dass man einfach mal ganz anders denken kann.

Max Gaedkte - SWR

Max Gaedtke aus Freiburg nennt genau 118 Dinge sein Eigen. Exakt abgezählt. Sie reichen ihm. Wie es sich mit so wenigen Gegenständen leben lässt, das zeigt der Beitrag vom SWR. – Link siehe oben

Und noch ein Film zu guter Letzt: die Vorschau auf den Film „My Stuff“, der im März in Deutschland anläuft. Worum es geht:

Petri steckt tief in einer echten Existenzkrise, als er sich entscheidet, ein Selbst-Experiment zu starten: Er packt alles (wirklich alles!), was er hat in ein Self Storage-Lager und legt klare Regeln fest:
1. Das Experiment dauert ein Jahr.
2. Jeden Tag darf er einen Gegenstand aus dem Lager zurückholen.
3. Neue Dinge kaufen, darf er in dieser Zeit nicht.
Er setzt sein Leben zurück auf Anfang.

Muss man ja nicht alles so machen. Aber es sind Anregungen dafür, dass nicht alles so festgefahren bleiben muss wie es ist. Und ein Hinweis darauf, dass wir uns mit zu vielen Dingen umgeben, die alle Ressourcen für die Herstellung benötigt haben – und jetzt uns viel (zuviel?) Aufmerksamkeit und Ordnungsliebe abverlangen.

Hoffen hilft nicht mehr – nur handeln!

Die Aussage ist das Fazit des Films „Dem Klima auf der Spur“, der 2014 auf Arte ausgestrahlt wurde und auch auf YouTube zu sehen ist (mit interessanter Überschrift – dazu später). Auch wenn Bernice Notenboom, die von den globalen Klimabrennpunkten berichtende Journalistin, etwas zur Selbstdarstellung neigt, ist der Film doch sehenswert, zeigt er doch, wo schon „tipping points“, also unumkehrbare Veränderungen, im Gange sind oder bald drohen.

Sich ändernde Ozeanschleifen, abschmelzende Polkappen, auftauender Permafrost, zunehmende Hochwasser, austrocknender Amazonas oder Fluten und Trinkwassermangel durch schmelzende Gletscher im Himalaya – das sind nur einige der heute schon bemerkbaren Folgen.

Es gibt noch genug andere Probleme, ist schon klar. In vier von wissenschaftlich definierten neun Bereichen haben wir weltweit schon die Grenzwerte für stabile Lebensbedingungen überschritten, so beim Artensterben, den Folgen durch intensive Stickstoff- und Phosphordüngung, der Umwandlung von Wäldern zum Beispiel in Plantagen und Ackerland – und eben beim Klimawandel.

Wie aber will der heute lebende Mensch die Umwelt schützen, wenn ihm jeglicher 002Bezug dazu abhanden kommt? Da wären wir wieder bei der frühen Bindungsstörung, von der hier schon die Rede war. Der nebenstehende (unscheinbare) Artikel aus der SZ vom 13.02. zeigt dies wieder mal auf.

Da wundert es nicht, wenn es auch heute noch erstaunlich viele Menschen gibt, die den Klimawandel nicht wahrhaben wollen, wie man den wütenden Kommentaren zum Arte-Video entnehmen kann. Nicht-Wahrhaben-Wollen und Verdrängen mögen ja manchmal psychisch sinnvolle Strategien gegen unangenehme Wahrheiten sein – hier ist es einfach nur noch autodestruktiv, denn die Folgen betreffen ebenso die Verdränger.

Auch leugnen hilft nicht mehr – nur handeln! Offenbar hat ein Klimaskeptiker den Arte-Beitrag hochgeladen – nett von ihm! Der selbst denkende Mensch von heute ist hoffentlich in der Lage, sich selbst ein Urteil dazu zu bilden!

Etwas verändern – ein Rückblick

Grenzen des WachstumsOben auf der Leiste gibt es jetzt die Rubrik „etwas verändern“. Wenn schon nicht global, und auch nicht im Umfeld, dann wenigstens selbst! Dies ist der erste Beitrag dazu.
2007, glaube ich, war das sehr einschneidende Erlebnis, als ich das 30-Jahres-Update zu „Grenzen des Wachstums“ gelesen hatte. Der Urlaub damals an der Adria war dahin, meine Laune reichlich mies.

Nun gut, zum damaligen Zeitpunkt hatten wir schon eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach, dazu eine thermische Solaranlage zum Wasser-Erhitzen, die Ökokiste kam damals auch schon seit über zehn Jahren, das Fahrrad war das meist benutzte Verkehrsmittel, u. a. für die 8 km zur Arbeit, und Car-Sharing hatten wir schon Ende der 90er-Jahre praktiziert – bis eine Arbeitsstelle 70 Kilometer entfernt zum Autokauf zwang.

Es folgten dann der konsequente Verzicht auf’s Fliegen (seit 2007), häufiger ein Einkauf auf dem Markt, das Lesen vieler Bücher zu Nachhaltigkeit und manches mehr. Beim Metzger gegenüber hole ich mir das Mittagessen in einer Metalldose; manche (strenge) Verkäuferin findet das wegen hygienischer Vorschriften nicht gut. VesperdoseDa lasse ich es mir eben erst auf den Teller geben, als ob ich es dort essen würde, und fülle es dann selbst in die Dose um. Wenigstens ist mein Mülleimer nicht mehr gefüllt mit dem Einweg-Plastikmüll.

Seit Januar nun arbeite ich reduziert, mit einem freien Tag in der Woche. Wer sagt denn, dass man 40 Stunden und mehr pro Woche arbeiten muss? Wirtschaftlich geht es zum Glück. Die Zeit kann ich nützen, um mir in Ruhe klar darüber zu werden, was noch Sinnvolles zu tun ist – oder ich gehe einfach joggen oder Bergsteigen, was mir fast immer erst einen freien Kopf bringt, dann irgendwann aber auch neue Ideen. „Arbeit ruiniert die Welt“, schrieb mal ein Autor. Allein wenn man daran denkt, dass jeder 7. Arbeitsplatz mit der Autoindustrie zusammenhängen soll, wird das wohl leider stimmen. Weniger Ressourcen- und Energieverbrauch durch weniger Arbeit kann ein Mehr schaffen an Zeit, Muße, Miteinander und Nachhaltigkeit.

Heute nun ist das letzte Teil, das ich in einer Internetzeitung für kostenlose Kleinanzeigen (quoka) zum Verschenken inseriert hatte, weggegangen. Ein Kindersitz für’s Auto und andere größere Teile haben da neue glückliche Besitzer gefunden, und wieder Platz im Keller geschaffen. Auch das bringt positive Energien.

Klingt jetzt alles hochengagiert, reicht aber bei weitem nicht aus. Mal sehen, ob mir in nächster Zeit noch mehr Dinge einfallen, die ich tun kann (oder die ich schon tue, aber die mir gar nicht immer bewusst sind).
Empfehlen kann ich für weitere Ideen den Blick auf die Webseite einfachbewusst.de.

Willkommen in 2015

Zurück in der Realität, das neue Jahr hat begonnen. Laut und monströs in Paris, während woanders, in Syrien, Nigeria oder Irak weiter, für uns hier nur leise vernehmbar, gestorben wird. Die gepriesene Zuversicht hat es schwer. Ein paar Gedankensplitter:

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(Verwendung mit freundlicher Genehmigung von J. Jansen, jansen-karikatur.de)

1100 Milliarden pumpt die Europäische Zentralbank nun also verteilt über 18 Monate in das Finanzsystem, angeblich um Kredite billiger zu machen und so das „Wachstum“ anzuheizen. Wo der Leitzins doch sowieso schon mit 0,05 Prozent zur Verschuldung einlädt. Was soll nun also noch alles investiert werden? Wie viele Industrie- und Gewerbegebiete sollen entstehen, welche Flächen dafür versiegelt werden? Und ist der heutige Konsum in den Industrieländern noch zu toppen? 

Eher sind viele Menschen doch eigentlich satt. Ausgerüstet mit Smartphone, Breitwandfernseher und Plasmabildschirm, Wasch- und Spülmaschine, Auto, Navi und hoffentlich auch Fahrrad sind die Hauptbedürfnisse auf Jahre hinaus gestillt – es sei denn, irgendein Gerät geht wachstumsfördernd gerade nach Ablauf der Garantie kaputt. Der „Kapitalismus in der Reichtumsfalle“, schrieb W. Uchatius schon vor über drei Jahren in der ZEIT (sehr lesenswert!).

Gezielte Investitionen in die Herausforderungen der heutigen Zeit? Wie da wären Energiewende, Stärkung öffentlicher Verkehrsmittel, Klimaschutz und Kohlendioxideinsparung! Fehlanzeige, wie schon bei der Geldflut bei der Finanzkrise 2008! Könnte man nicht die 3400 Euro, um die es pro europäischen Bewohner geht, nicht lieber gleich den Arbeitslosen und Geringverdienern aushändigen – was sicher mehr Konsum bewirken würde, wenn schon? Weiterlesen